Ehrenamt in der Klinik für Neurologische Rehabilitation
Entstehung/Entwicklung
Die ehrenamtlichen Helfer/ -innen haben sich im Jahr 1998 zu einer Gruppe zusammen gefunden. Aus der Idee „Hilfe von Betroffenen für Betroffene“ entwickelte sich die derzeitige Gruppe der Helferinnen und Helfer von mittlerweile über 60 Personen, die unermüdlich in der Klinik, im Heimbereich und im Nachsorgezentrum „Haus zweites Leben“ im Einsatz sind. Sie werden fachlich von Maria Dotzler, Dipl.-Sozialpädagogin und ihrem Team begleitet. „Mut machen“ und „Beispiel geben“ waren Gedanken, die uns zu diesem Projekt bewegten. Auch der Verein „Zweites Leben“ hat sich aus dieser Gruppe und diesem Engagement entwickelt, selbst der Name des Vereins stammt von einer ehemaligen Patientin!
Wie sieht die Tätigkeit der ehrenamtlichen Helferin oder des ehrenamtlichen Helfers aus?
Die Tätigkeit gestaltet sich sehr unterschiedlich, je nach Interesse des Patienten, seinen derzeitigen Möglichkeiten und die des ehrenamtlichen Helfers. Diese werden aufeinander abgestimmt.
Wichtig dabei sind persönlicher Respekt, gegenseitige Achtung und Akzeptanz sowie Sympathie. Dann kann die Arbeit beginnen.
Das Tätigkeitsspektrum umfasst:
- Ausfahrten mit dem Rollstuhl
- Vorlesen
- Aufbau einer Patientenbibliothek und deren personelle Besetzung
- Begleiten bei Therapien als CO-Helfer (Schwimmen), beim Motomed oder bei der Mobilisation in der Steh-Hilfe
- Besuch/Begleitung von kulturellen Veranstaltungen mit Patienten
- Fahren des vereinseigenen – für Rollstühle geeigneten – Fahrzeugs. Speziell für Fahrten nach Hause, oder zu Freizeitangeboten und kulturellen Veranstaltungen. Wichtig: Gewinnen von „Normalität“ ( z.B. die Möglichkeit wieder ein Theater oder Kino zu besuchen).
- Aktionen wie Flohmarkt zur finanziellen Unterstützung des Vereins
- Gestaltung von Festen für Patienten (Sommerfeste, Weihnachtsfeiern)
- Gründung einer Chorgruppe, um mit Musik Feste zu verschönern
- Unterstützung des Nachsorgeteams im „Haus zweites Leben“ mit festen Einsatztagen
- Eine 1:1-Betreuung bei schwer Betroffenen im „Haus zweites Leben“
- Üben von Fertigkeiten außerhalb der Therapiezeiten als zusätzliches Training
- Einkäufe für Schwerstbetroffene im Heimbereich
- Tätigkeiten im Cafe „Zweites Leben“
- Vereinsinterne Arbeiten (Büro usw.)
- Mitarbeit bei den Aktionen des Vereins „Zweites Leben“ im Bereich Kunst und Kultur (Organisation von Konzerten und Kunstausstellungen; die Erlöse gehen voll an den Verein)
- Mitwirken in der Öffentlichkeit und Werbung für das Amt der Ehrenamtlichen
- Unterstützung bei verschiedenen Projektgruppen: z.B. „Golfen“, „Kunsttherapie“, „Musiktherapie“.
Wer kann ehrenamtlicher Helfer oder Helferin sein?
Jeder der sich gerne engagieren möchte und als Voraussetzung Zuverlässigkeit mitbringt. Ebenso ist die Bereitschaft nötig sich Wissen anzueignen, was die Klientel der Klinik betrifft: Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen, dazu gehören z.B. Schädel-Hirn-Verletzungen durch einen Unfall, Schlaganfall-Betroffene, Wachkoma-Patienten sowie deren Angehörige.
Die ehrenamtliche Tätigkeit ist eine freiwillige, verantwortungsvolle und soziale Betätigung. Das Angebot ergänzt das professionelle Angebot der Klinik und entlastet Angehörige. Ehrenamtliche Helfer/ -innen sind während ihrer Tätigkeit in der Klinik versichert. Der Einsatz erfolgt ohne finanzielle Vergütung. Es kann und wird keine Aufwandsentschädigung gewährt.
(Anreise der Ehrenamtlichen zum Einsatzort, etwaige Unkosten wie Benzin usw. werden von den Ehrenamtlichen selbst getragen.)
Interessierte können sich bei Frau Dotzler bewerben.
Die Helfer/ -innen unterliegen der Schweigepflicht und unterstützen das Mitarbeiter-Team in der Klinik für Neurologische Rehabilitation.
Es entsteht eine enge Zusammenarbeit zwischen:
- Ehrenamtlichen
- Klinik
- Verein "Zweites Leben"
Fachliche Begleitung der Ehrenamtlichen
Mit einem gemeinsam erstellten Jahresprogramm und festem Terminplan sind die Ehrenamtlichen ausgestattet.
Im Zeitraum von 6-8 Wochen trifft sich die Gruppe zum Erfahrungsaustausch. Dieser wird fachlich und sozialpädagogisch begleitet.
Über das Jahr verteilt werden Referenten zu Fortbildungsveranstaltungen eingeladen. Sie referieren über Themen die die Ehrenamtlichen gerne vertiefen möchten.
Dadurch wird eine wertvolle Fachkompetenz aufgebaut. Ehrenamtliche sind keine Laien! Sie sind verantwortungsvoll tätig, sie geben Beispiel und sind Mutmacher. Sie verfügen über großes Einfühlungsvermögen und bringen auch die Bereitschaft mit sich selber weiter zu entwickeln.
Einmal im Jahr findet eine speziell auf die Ehrenamtlichen abgestimmte Veranstaltung statt. Diese Veranstaltung wird „Wohlfühltag“ genannt.
2010 führte unser Wohlfühltag nach Wiesent. (s. Bericht einer Helferin)
2011 waren wir auf der MS-Wissenschaft eingeladen. Das Ausstellungsschiff für Wissenschaft im Dialog.
Ehrenamtliche sind wertvoll.
Was wir bedauern
Ehrenamt ist wichtig, derzeit in „aller Munde“, und nötig. Aber Ehrenamt bedeutet Einsatz, Arbeit und kostet!! Es wird – politisch – zu wenig gefördert! Unsere Ehrenamtlichen bekommen nicht einmal eine Vergütung für ihre Anfahrtswege. Das kann sich heutzutage bei den steigenden Benzinpreisen nicht jeder leisten.
Wir würden uns freuen, wenn sich hier die Verantwortlichen in der Politik mehr einsetzen würden. Eine Möglichkeit wäre z.B. die Fahrtkosten steuerlich zu berücksichtigen. Dass dies bis jetzt nicht möglich ist, ist sehr schade und wäre wenigstens ein kleines äußeres Zeichen der Wertschätzung.
Was uns freut!
Dass wir an Aktionen wie
- „geben-gibt“ – „Deutscher Engagementpreis“ ( hier waren wir 2009 unter den Finalisten)
- den „Sparkassen-Bürgerpreis“ in Regensburg (2010 erhielten wir den 2. Preis in der Kategorie „Soziales“)
teilnehmen können und die Öffentlichkeit auf das Ehrenamt aufmerksam machen.
Frau Dotzler begleitet die Gruppe der Ehrenamtlichen seit der Entstehung. Es ist ein wertvolles, nachahmungswertes Projekt, welches sich bei durch die Kooperation Klinik, Ehrenamtliche und Verein „Zweites Leben“ ergeben hat.
Es sind diese „stillen und leisen Helferinnen und Helfer“ die durch solche Aktionen auch eine Chance haben, in der Öffentlichkeit Beachtung zu finden. Sie können durch ihre Arbeit weiteren Interessierten die Freude am Ehrenamt näher bringen.
Dies ist nur möglich, weil sich die Medizinischen Einrichtungen sowie die Klinik für Neurologische Rehabilitation diesem Projekt aufgeschlossen gegenüberstehen. Sie sehen was der Einsatz der Ehrenamtlichen für die Betroffenen und deren Angehörigen bedeutet.
„Als Klinikmitarbeiterin weiß ich auch von anderen Kolleginnen und Kollegen, dass wir uns unsere Ehrenamtlichen nicht mehr wegdenken möchten“, so Frau Dotzler. „Sie sind eine im Grunde unbezahlbare Hilfe.“
„Aus meiner Liste der hier über 60 tätigen Ehrenamtlichen würde es mir schwer fallen , nur einen Bestimmten auszuwählen. Alle – jeder für sich und gemeinsam – leisten Unermessliches für unsere Gesellschaft; speziell in der Klinik für die Patienten und deren Angehörigen.“
Pro Jahr leisten sie bis zu 25.000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit für das Gemeinwohl.
Ausblick für 2011
Die Klinik für Neurologische Rehabilitation und ihre Ehrenamtlichen werden auch 2011 in der Woche des Bürgerlichen Engagements mit einem eigens dafür gestalteten Aktionstag am Samstag, den 24.09.2011 teilnehmen und sich vorstellen.
Wir sagen DANKE allen unseren unermüdlichen Helferinnen und Helfer.
